
Seit 13 Jahren an Österreichs Universitäten
Seit den 80er-Jahren existierten in Österreich unterschiedliche kleine liberale Studierendengruppen, die sich in der ÖH engagierten. Eine davon war die LIST ("Liberale StudentInnen"), die schließlich 1993 in einem Bündnis mit den VGÖS ("Vereinigte Grüne Österreichische Studierende") zwei Mandate im bundesweiten Studierendenparlament der ÖH erreichten.
Die Gründung des LSF
Ebenfalls 1993 entschloß sich Heide Schmidt mit einigen liberalen Politikerinnen und Politikern, die Freiheitliche Partei zu verlassen. Anlaßfall war das von der Haider-Partei betriebene Anti-Ausländer-Volksbegehren "Österreich Zuerst". Nach der Gründung des Liberalen Forums (LiF) schlossen sich einige interessierte Studierende des LiF mit den Vertreterinnen und Vertretern der LIST-VGÖS zusammen. Beim ersten bundesweiten Kongreß ("Bundesforum") im Herbst 1993 wurde das Liberale Studentinnen und Studenten Forum (LSF die Liberalen) offiziell gegründet.
Liberale Grundwerte
Inhaltlich definierte sich das LSF seit seiner Gründung über die Grundwerte des modernen Liberalismus: Freiheit und Verantwortung. Universitäts- und studienspezifische Forderungen der ersten Stunde waren und sind es bis heute die radikale Reform der Studienpläne zugunsten erhöhter Eigenverantwortung bei der Zusammenstellung des Studiums durch die einzelnen Studierenden, die vernünftige und partnerschaftliche Zusammenarbeit von Universität und Wirtschaft, Interkulturalität (Förderung von Bildungsaufenthalten im Ausland etc.), effizientere Universitätsverwaltung, die soziale Absicherung der Studierenden und vieles andere mehr.
Liberale als Kraft der Veränderung
Bei den ÖH-Wahlen 1995 erreichte das LSF mit Johannes Vetter als Spitzenkandidat auf Bundesebene 8,8 Prozent. Durch die Duldungsrolle, in die sich die liberale Fraktion begab, wurde erstmals eine nichtkonservative Mehrheit innerhalb der politischen Vertretung Österreichs Studierender ermöglicht. Auch an den einzelnen Universitäten zeigte das LSF sofort Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wie zahlreiche Exekutivbeteiligungen zwischen 1995 und 1997 (etwa in Linz und Graz) zeigten.
In diesen Jahren gelang es dem LSF auch, Vollmitglied der beiden liberalen Dachorganisationen IFLRY (International Federation of Liberal and Radical Youth) und LYMEC (Liberal and Radical Youth Movement of the European Community) zu werden. Damit sind Österreichs liberale Studierende nun Teil der internationalen jungliberalen Familie.
Der Beschluß des vorliegenden politischen Programms erfolgte nach ausführlicher und gründlicher Debatte im November 1996 am Bundesforum in Reichenau bei Linz.
Chance, Verantwortung zu übernehmen
Durch die konservative Wende der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG) motiviert, entschloß sich die ehemalige AG-Powerfrau Nicole Baczak, dem LSF beizutreten und es im ÖH-Wahlkampf 1997 zu unterstützen. Gestärkt durch diesen neuen Aufschwung und durch die inhaltliche Manifestation im Rahmen des Programms, konnte das LSF 1997 mit dem Spitzenkadidaten Udo Pappler erneut einen tollen Erfolg bei den ÖH-Wahlen erreichen: 10,4 Prozent auf Bundesebene sicherten der liberalen Fraktion 7 Mandate im Studierendenparlament. An den unterschiedlichen Universitäten wagten die Liberalen erneut zahlreiche Exekutivbeteiligungen, wie z. B. in Salzburg, Linz, Graz und Leoben, wo das LSF stellvertretende ÖH-Vorsitzende stellte und 1997 in Wien mit dem damaligen Bundessprecher Clemens Kreidmayer sogar den ersten Vorsitzenden.
Am Bundesforum in Graz Anfang 1999 beschloß das LSF durch eine Änderung des Grundsatzprogrammes das Bekenntnis zu einer effizienten ÖH, bei der die Zwangsmitgliedschaft nicht mehr Existenzvoraussetzung sein muß. Bei der darauffolgenden ÖH-Wahl mit dem stellvertretenden Salzburger ÖH-Vorsitzenden Andreas Putz als Spitzenkandidat erreichten die Liberalen 9,9%. Eine Exekutivbeteiligung kam nach ausführlichen Verhandlungen jedoch nicht zustande.
Mit dem Ausscheiden des Liberalen Forums aus dem Parlament im Herbst 99 stand das LSF vor neuen Herausforderungen. Sowohl die finanzielle als auch organisatorische Eigenständigkeit ermöglichte einen Fortbestand an allen wichtigen Unistandorten in Österreich.
Bei der ÖH-Wahl 2001 kandidierte mit der Jus-Studentin Michaela Köberl erstmals eine Frau an der Spitze der Liberalen Studierenden. Ein neues Bildungsprogramm, welches als Antwort auf die Studiengebühren ein Darlehensmodell vorsieht, wurde unter ihr entwickelt. Erschwert durch die bundespolitische Situation der Liberalen insgesamt wurde das Ergebnis von 1999 zwar halbiert, jedoch in Innsbruck, Wien (Hauptuni, WU und TU) sowie Salzburg der Verbleib in den Universitätsvertretungen und einigen Fakultätsvertretungen geschafft.
Bei den ÖH-Wahlen im Mai 2003 war die Aufhebung der Pflichtmitgliedschaft kein zentrales Wahlkampfthema mehr. Die Liberalen konzentrierten sich auf die Finanzierung des Studiums und die Unabhängigkeit der eigenen Fraktion. Aus finanziellen Gründen wurde nur in Innsbruck und Wien kandidiert. Das LSF erreichte immerhin ein Mandat in der Bundesvertretung der ÖH und je eines mit 6,3% in Innsbruck, 8,3% an der Wirtschaftsuniversität Wien und 3,5% an der Universität Wien in der Universitätsvertretung.
Bei den ÖH-Wahlen 2005 erreichten die Liberalen Studierenden den größten relativen Stimmenzuwachs aller Fraktionen. Zentrale Themen des Wahlkampf waren das ganzjährige Studium und die Einführung eines Studiendarlehens.
